Hoher Steueranteil am Strompreis
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) legt in einer aktuellen Untersuchung des deutschen Strommarktes die Hintergründe der hohen Strompreise für Privathaushalte offen.
Die deutschen Verbraucher müssen seit Jahren immer wieder neue Stromerhöhungen verkraften. Mittlerweile stehen die Preise für Privathaushalte auf dem höchsten Niveau seit der Liberalisierung des Strommarktes im Jahre 1998. Ein dreiköpfiger Musterhaushalt muss derzeit laut BDEW monatlich 67,70 € für seinen Strom zahlen, was einer Erhöhung von rund sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Riskante Termingeschäfte
Sogar jetzt, wo die Großhandelspreise auf der Leipziger Strombörse EEX stark gesunken sind, kündigen die Versorger weitere Erhöhungen an. Erst Ende des Jahres soll es wieder langsam bergab mit den Preisen gehen. Der Grund hierfür ist, wie ein BDEW-Sprecher bestätigt, das Einkaufsverfahren vieler Anbieter. Der Strom für die Privatkunden wird per Termingeschäft erworben, also im Voraus bezahlt. Der Strom, der jetzt durch die Leitungen der Kunden fließt, wurde demnach schon im letzten Jahr gekauft. Da dort aber die Energiepreise noch sehr hoch waren, müssen die Kunden nun diesen hohen Preis mit einiger Verzögerung ebenfalls bezahlen. Das Risiko des Termingeschäfts könne vom Anbieter aufgrund des insgesamt noch zu schwachen Wettbewerbs einfach auf die Kunden abgewälzt werden, so der BDEW. Kunden können sich vor solchen Praktiken langfristig nur durch aktive Mithilfe in Form eines auch für sie persönlich gewinnbringenden Anbieterwechsels schützen.
Steueranteil stark gestiegen
Jedoch sind nicht nur fehlender Wettbewerb und Risikogeschäfte der Anbieter Schuld am hohen Strompreis. Wie der BDEW offenlegt, hat auch der deutsche Staat einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen. Der Steueranteil am Strompreis sei nämlich seit 1998 um 15 Prozent auf nun 40 Prozent angestiegen, was vor allem auf die Ökosteuer und die Mehrwertsteuererhöhungen zurückzuführen sei. Dies trage dazu bei, den Strompreis hoch zu halten und belaste so die Verbraucher zusätzlich.
Frühestens Ende dieses Jahres können Verbraucher wieder mit Entlastungen rechnen. Dann kommt die Verzögerung der Preisentwicklung auf den Märkten auch bei ihnen an. Die momentan niedrigen Preise werden dann – dem jeweiligen Termingeschäften der Anbeter entsprechend – weitergegeben.