Internet verbraucht massiv Strom
Durch die hohe Nutzungsfrequenz des Internets steigt die Auslastung der Rechenzentren immer weiter an. Der Strombedarf des World Wide Web schnellt somit ebenfalls in die Höhe, warnt der “Guardian”.
Am heimischen PC bekommt der Verbraucher für gewöhnlich nicht viel von diesem gewaltigen negativen Potenzial des Internets mit. Während Videos auf YouTube angesehen werden, Inhalte gesucht oder Daten heruntergeladen werden, läuft für den User sichtbar nur sein Rechner. Dieser stößt nun nicht direkt giftigen Treibhausgase aus – aber indirekt tut er dies durchaus. Denn die Daten, die durch das Internet verbreitet, zugänglich gemacht und übertragen werden, müssen koordiniert werden. Diesen Job übernehmen hauptsächlich die unzähligen, über den Globus verteilten Rechenzentren. Diese teils riesigen Anlagen haben einen extrem hohen Stromverbrauch, der durch die nötige Kühlung der Geräte noch einmal verdoppelt wird. Die Produktion dieses Strom verbraucht dabei – falls es kein Ökostrom ist – eine gewisse CO2-Emission. Je mehr der Nutzer surft, desto mehr Daten müssen die Rechenzentren und Server bearbeiten, und desto mehr Strom muss für sie unter Belastung des Klimas produziert werden.
Klimakiller Web-Suche?
In diesem Zusammenhang hat der “New Scientist” berechnet, dass eine Suchanfrage bei Google oder anderen Anbietern umgerechnet rund 200 Milligramm CO2 freisetzt. Da die Anzahl der getätigten Web-Suchen nun allein im März 2009 bei neun Milliarden lag, summiert sich der Kohlendioxid-Ausstoß durch Suchanfragen entsprechend auf. Stündlich läge der CO2-Wert etwa vergleichbar hoch wie die bei 12.000 mit einem Auto zurückgelegten Kilometern emittierten Treibhausgase.
Insgesamt berechneten die Forscher nur für die Rechenzentren einen Stromverbrauch von 152 Milliarden Kilowattstunden, der sich bei Einbeziehung aller anderen Bestandteile der Internettechnologie – Netzwerke, Kühler, Computer und viele weitere – auf über 850 Milliarden Kilowattstunden aufsummiert. Gleichzeitig ist derzeit kein Ende des aufsteigenden Internettrends in Sicht – im Gegenteil, die Verbreitung schreitet fort. Die momentane globale Nutzerzahl von 1,5 Milliarden Menschen wird also aller Wahrscheinlichkeit noch weiter steigen.
Lösungen und Dementi
Viele Unternehmen und Online-Anbieter leiden laut “Guardian” bereits unter den hohen Kosten der hohen Serverauslastung. Daher gibt es auch bereits viele Vorschläge zur Verbesserung der Lage, die bislang allerdings nur auf dem Papier existieren. Wie der “Spiegel” erfahren hat, arbeitet IBM so an einer CO2-neutralen Arbeitsweise, bei der die in den Rechenzentren entstandene Abwärme zur Beheizung umliegender Gebäude verwendet wird. Auch die Bündelung von Datenpaketen im Internet, das sogenannte “Load Skewing”, solle den Energiebedarf um 40-80 Prozent verringern können. Google hat unterdessen zwar verlauten lassen, dass die Lage mitnichten so dramatisch sei, wie es der “Guardian” beschreibt und dass das der Stromverbrauch insgesamt kein Problem sei, da das Internet lediglich einen Teil des täglichen Konsums darstelle. Trotzdem hat auch der Internetriese eine innovative Idee parat: Google plant langfristig den Einsatz von schwimmenden Rechenzentren, die mit Seewasser gekühlt werden und die Wellenbewegungen zur Stromerzeugung nutzen könnten.