Führungswechsel bei E.ON
E.ON-Vorstandschef Wulf Hinrich Bernotat hat angekündigt, seinen Posten im nächsten Jahr zu räumen. Darüber hinaus wird die Koordination des Vertriebes von Strom und Gas in Zukunft gebündelt.
Auf der E.ON-Hauptversammlung in Essen gab der mächtigste Energiemanager Deutschlands seinen wohl schon seit längerem feststehenden Beschluss bekannt: Den im nächsten Jahr auslaufenden Vertrag beim Energie-Marktführer wird er aus “persönlichen Gründen” nicht verlängern. Er strebe eine neue, anspruchsvolle Aufgabe außerhalb des operativen Geschäfts mit internationaler Dimension an, so Bernotat. Spekuliert wurde bereits über eine Stelle als Chairman beim britischen Konzern BP.
Bernotat kann auf eine geschäftlich erfolgreiche Zeit bei E.ON zurückblicken. Die Bilanz wurde zwar durch die Krise etwas geschmälert, aber dennoch sieht auch der Chef selbst das Unternehmen “gut aufgestellt” und bereit für einen Wechsel an der Spitze. Während seiner Amtszeit geriet der E.ON-Chef allerdings trotz des Erfolges immer mehr in die Schusslinie öffentlicher Kritik. Seine vielen Auftritte, bei denen er unbequeme und unpopuläre Positionen vertrat, sowie die vielen Preiserhöhungen machten ihn bei Kunden und letztlich auch bei einigen Politikern unbeliebt.
Nachfolger steht bereit
Das operative Geschäft bei E.ON lenkte in der letzten Zeit, in der Bernotat oft das Sprachrohr der gesamten Branche darstellte und sich immer mehr auf die Öffentlichkeitsarbeit beschränkte, Johannes Teyssen. Die Nummer zwei des Konzerns wird nach Bernotats Rücktritt nun auch aller Voraussicht nach den Chefsessel übernehmen. Offiziell bestätigt wurde dies zwar noch nicht, aber die jahrelange Zusammenarbeit mit Bernotat und die Tatsache, dass dieser Teyssen geradezu als seinen Nachfolger herangezogen hat, sprechen doch eine deutliche Sprache. Ein Wechsel des grundlegenden Führungsstils wird aus den gleichen Ursachen nicht erwartet.
Prozess der Umstrukturierung
Insgesamt befindet sich der Branchenprimus laut “Handelsblatt” in einem Prozess der “Straffung von Konzernstrukturen” und der Rüstung des Unternehmens für die Zukunft – und gegen die vermehrt aufkommenden Wettbewerber auf dem Energiesektor. Die jüngste und auch bedeutenste Maßnahme dieser Umstrukturierung ist die nun beschlossene Bündelung der Vertriebsvorstandsposten der beiden Töchter E.ON Energie und E.ON Ruhrgas. Diese beliefern vornehmlich in Europa viele Millionen von Kunden mit Strom und Gas und sollen jetzt enger miteinander verknüpft werden. Der Mann für diese neue Aufgabe ist Stefan Vogg, der Geschäftsführer der E.ON Vertrieb Deutschland GmbH. Er wird in den nächsten Tagen in die jeweiligen Vorstände der beiden Tochterunternehmen einberufen und soll in der Zukunft dazu beitragen, die Vertriebsprozesse innerhalb des Konzerns besser und stärker zu koordinieren.