Hamburg zurück im Strommarkt
Die Stadt Hamburg hat die Gründung eines neuen städtischen Ökostrom-Anbieters beschlossen. Dieser soll ohne Steuergelder auskommen und sich als Massenanbieter auf dem Markt etablieren.
Vor rund sieben Jahren verkaufte Hamburg seine Anteile an den Hamburger Elektricitäts-Werken (HEW) an den Energieriesen Vattenfall, der heute noch über 80 Prozent der Stromversorgung der Hansestadt kontrolliert. Nun steigt die Stadt mit dem neuen Anbieter “Hamburg Energie” wieder in das Stromgeschäft ein. Umweltsenatorin Anja Hajduk formulierte bei der Vorstellung des Projektes die Ziele der Behörde: “Wir wollen wieder mehr Entscheidungsspielraum in der Politik haben, und einen Energieversorger, der die Interessen der Stadt vertritt“, so Hajduk. Außerdem sollen die Verbraucher von einem transparenten und günstigen Anbieter profitieren, der auch den Wettbewerb anheizen und Vattenfall Konkurrenz machen soll. Zunächst werde “Hamburg Energie” nur Privatkunden versorgen, langfristig werde aber auch die Belieferung von Gewerbekunden und städtischer Gebäude anvisiert. Der benötigte Strom solle dabei ausschließlich aus regenerativen Quellen gewonnen werden, wofür Schritt für Schritt eigene Kapazitäten aufgebaut würden. Bis im Jahre 2011 die geplanten Wind-, Fotovoltaik- und die gasbetriebenen Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen den Strom für die Kunden liefern, kauft “Hamburg Energie” die benötigten Strommengen von anderen sauberen Quellen ein.
Kein Einsatz von Steuern
Der neue städtische Stromversorger sei des Weiteren nicht für die “Nische, sondern als Massenanbieter” gedacht. Um dieses Ziel zu erreichen, würden aber keine Steuergelder vonnöten sein, so Hajduk weiter. Stattdessen fungiere “Hamburg Energie” als eigenständiger Spieler auf dem Markt, wobei die erwirtschafteten Gewinne in die Kasse der Stadt und gleichzeitig in neue Ökostrom-Projekte fließen würden. Der sich ebenfalls in städtischer Hand befindliche Versorger “Hamburg Wasser” gewährt dem neuen Stromanbieter ein Startkapital von 10 Mio. Euro.
Obwohl die Gründung von vielen Seiten gelobt wurde, brachten einige Stellen auch kritischere Töne zum Ausdruck. So forderte der Hamburger Ökostrom-Anbieter Lichtblick, der einen Marktanteil von gut sechs Prozent besitzt, einen “fairen Wettbewerb” und keine Bevorzugung des städtischen Unternehmens gegenüber anderen Ökostromversorgern. Ein Sprecher der Partei “Die Linke” geißelte den neuen Versorger gar als “Trostpflaster für die Drecksschleuder Moorburg”. Trotzdem sieht die Umweltbehörde optimistisch in die Zukunft und hofft auf eine ausreichende Unterstützung seitens der Verbraucher – denn nur durch die Wechselwilligkeit der Kunden kann das Projekt erfolgreich sein.